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Weils interessanter ist als vor der Glotze!


Rainald Grebe gastiert mit neuem Programm im Stadtgarten in Erfurt. Unsere Zeitung hat im Vorfeld mit ihm gesprochen

Der Kabarettist Rainald Grebe vor der Schaubühne Foto: Sergej Glanze Der Kabarettist Rainald Grebe vor der Schaubühne Foto: Sergej Glanze

Erfurt. Er ist Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist und Autor. Fünf Jahre hat er in Jena am Theater mitgewirkt, heute füllt er alleine ganze Hallen. Die Rede ist von Rainald Grebe. Am 5. Dezember ist er im Stadtgarten in Erfurt und hat neue und alte Lieder im Gepäck.

Herr Grebe, Thüringen hat immer wieder mit der rechten Szene zu kämpfen. Rechtsrockkonzert, AfD, Naziaufmärsche. Wie sehen Sie diese Entwicklung, auch als ehemaliger Thüringer?
Ich weiß noch von Uwe (Mundlos) und Uwe (Böhnhardt) in Jena und der Bombenattrappe, die man dort gefunden hat. Das hat ja nie aufgehört. Das ist zwar mal abgeflacht, so in den 2000ern, dann wurden die rechten Stimmen aber wieder laut; nicht nur in Thüringen, das hat mit der Mentalität nichts zu tun. Das Problem gibt es ja in ganz Deutschland. Das ist schon sehr schlimm.
Schreiben Sie mit ihrer Kunst gegen solche Probleme an?
Meine Kunst ist nicht primär politisch. Von klaren Aussagen halte ich mich eher fern. Das ist bei mir ja dreimal um den Kirchturm gewickelt. Ich meine, die Leute, die auf meine Konzerte kommen, die kennen das – diese Einstellung – und die sehen das dann auch. Aber man tackert sich seine Meinung als Künstler ja nicht auf die Stirn. Das machen Politiker in ihren Parteiprogrammen. Gerhard Hauptmann hat mal gesagt: Ich habe keine Meinung, darum bin ich Dramatiker geworden. Im Vordergrund stehen bei mir Erzählungen. Aber vielleicht ist es jetzt ja an der Zeit, eine klare Aussage zu treffen.
Wäre es dann nicht besser, die Welt so zu beschreiben, wie sie ist, statt all dem Chaos, dem Irrwitz, den verrückten Kostümen und der manisch-depressiven Weltsicht in ihrer Kunst?
Wenn man den Kopf ins Internet hält, dann ist die Welt doch so. Da gibt’s ein bisschen Reiseführer, ein bisschen Trump und ein bisschen was anderes. Ich glaube schon, dass ich die Welt so darstelle wie sie ist – eher so ein fader Realismus oder ein Naturalismus.
Die Stücke die ich mache sind ein Gegeneinanderführen von Aussagen und dann im Kopf rumrühren.
Haben Sie dabei Vorbilder? Eine Bekannter von Ihnen, der Puppenspieler René Marik, sagte in einem Interview: „Helge (Schneider) ist der Chef“. Würden Sie da mitgehen?
Ja, da würde ich mitgehen. Der ist schon sehr gut. Er hat seinen eigenen Kosmos und ist sehr Professionell und auch technisch sehr gut.
Improvisieren Sie wie Helge auch auf der Bühne?
Ich habe eigentlich ein klares Programm, das eine Art Improvisation ist. Dazu kommen die Elemente des Theaters. Also ist es eher so eine Art gefrorener Zufall. Klar, die Arbeitsweise ist natürlich, dass ich Sachen auf der Bühne ausprobiere und dann in mein Programm mit aufnehme. Aber mein Programm ist ja auch sehr ernsthaft, da will ich immer beides, das Ernsthafte und auch das Seltsame und Komische. Und ich glaube auch gar nicht, dass Helge überhaupt so viel improvisiert.
Humor spielt natürlich eine wichtige Rolle. Was darf Humor und benutzen Sie den Humor als Deckmantel um Wahrheiten zu verpacken, zum Beispiel beim Thüringen-Lied?
Humor, würde ich erst mal sagen, darf alles und ist im besten Falle dann auch befreiend. Man hat immer das Endliche und Vergebliche im Blick und mit Humor darf man auch lachen auf der Beerdigung. Ja, vielleicht trifft es das.

Beim Thüringen-Lied ging es aber gar nicht um Wahrheiten. Das kam einfach nach fünf Jahren Thüringen. Die Menschen dort haben mir allerlei erzählt, was ich dann in dem Lied verarbeitet habe. Die Thüringer haben das auch gut angenommen und fühlten sich nicht beleidigt.

Sie haben selbst in Thüringen gelebt und ihre Erfahrungen in dem Lied verarbeitet. Wie viel Rainald Grebe steckt denn in den Songs?
Es kommt alles aus mir, trotzdem darf man die Charaktere in den Liedern nicht mit mir gleichsetzen. Das wäre falsch. Ich versuche die Urheberschaft der Figuren zu verfremden, aber die Figuren gibt es schon.
„Ich saß in Osnabrück im Hotel und schaue einen Porno mit Handlung“ – gibt es das Hotel?
Ja, das Hotel gibt es, aber das könnte es auch in Erfurt geben. Auch den Kerl, der im Text spricht, den gibt es schon. Aber der kann überall sein.
Wie kamen Sie dazu, überhaupt Künstler zu werden? Sie kommen ja aus einer Akademikerfamilie?
Ja, so nennt man das wohl. Mein Vater und meine Schwester behandeln ja Kunst, aber sie sind keine Künstler. Meine Familie hat das auch nicht richtig verstanden, die freuen sich dann, wenn viele Leute da sind.
Dann hat ihre Familie ja momentan allen Grund zur Freude. „Ich bin auf dem Teppich geblieben, aber mein Teppich kann fliegen“, heißt es in einem ihrer Texte. Sind Sie auf dem Teppich geblieben?
Ja, ich gehöre jetzt zur gehobenen Mittelschicht. Ich verdiene recht gut, im Grunde so viel, dass es mir schon wieder egal ist. Früher war mir das Geld egal, weil ich keins hatte, heute weil ich nicht mehr jeden Pfennig umdrehen muss. Das ist schon ein angenehmes Umfeld. Ja, das ist mein fliegender Teppich.
Ein anderes Zitat ist: „Ich bin der Präsident, schöne Grüße aus Bellevue“. Was würden Sie machen, wenn Sie morgen zum Präsident gewählt werden?
Den Laden erst mal einen Monat dicht machen und schauen, ob man das Parlament braucht oder ob nicht auch nur die Verwaltung reicht. Ich würde schauen, was man vermisst und erst mal in Urlaub fahren.
Herr Grebe, was erwartet die Leute am Mittwoch in Erfurt?
Ein Programm! Eigentlich ist die Tour ja als Record-Release Tour gedacht, aber die CD ist noch nicht fertig. Es wird aber neue Songs geben, Quer durch den Gemüsegarten, von Albanien bis Fitnessstudio. Teile davon können die Besucher auch physisch mitnehmen. Aber ich werde auch alte Stücke spielen, klar. Die neuen Songs sind Rock’n’Roll, richtig mit Strom – Altrock (lacht). Vor Weihnachten haben wir vier Konzerte geplant, danach geht’s dann weiter.
Warum sollten die Leute kommen?
Weils interessanter ist, als vor der Glotze zu hocken!
Mittwoch, 5. Dezember, 20 Uhr, Stadtgarten Erfurt. Tickets unter www.ticketshop-thueringen.de
Marvin Reinhart / 03.12.18


 

Geschrieben von: Hausmeister am 03.12.2018

 

 

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