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Erfurter Theater kurz vor der Premiere Ô€×Im wei├čen R├ÂsslÔ€ť


Interessiert unterwegs während der ersten Bühnen-Orchester-Probe für die Revue-Operette „Im weißen Rössl“

Szene aus der ersten Probe für die Revue-Operette „Im weißen Rössl“. Foto: Lutz Edelhoff Szene aus der ersten Probe für die Revue-Operette „Im weißen Rössl“. Foto: Lutz Edelhoff

Erfurt. „Wir haben zehn Minuten Aufenthalt in Sankt Wolfgang“, schmettert Piccolo (Florian Appelius). Die Probe für „Im weißen Rössl“ am Theater Erfurt hat begonnen.

Der Chor, das sind in der Montavon-Adaption vor allem Mitglieder eines Unternehmens auf einem Betriebsausflug, angeleitet von Veranstalter Leopold Brandmeyer (Alexander Voigt). Sie sind bei einem Event und werden sowohl die Gäste im weißen Rössl spielen als auch die Mitarbeiter.

Das klingt, als sei es aus dem Leben der Weihnachtsfeiern gegriffen. Es gibt so viele Turbulenzen wie bekannte Lieder. Und Montavon verspricht das weiße Rössl mit französischem Flair und jazzigem Sound. Und doch wird es auch das weiße Rössl bleiben, natürlich. Bleiben müssen. Denn unverändert steht das Glück vor der Tür und ihr ist auch in dieser Inszenierung sein ganzes Herz. Doch die dicke Schicht Zuckerwatte, die wird ein paar Meter weiter auf dem Weihnachtsmarkt angeboten.

Es soll ein heiter-beschwingter Abend mit jazzigem Sound und Witz und vor allem mit viel Leichtigkeit werden. Das ist natürlich während dieser ersten Bühnen-Orchester-Probe, da also erstmals gemeinsam gespielt und gesungen und getanzt wird, nur in Ansätzen zu erkennen.

Doch das beunruhigt die Chefs nicht. Noch hält sich die Nervosität in einem genehmen Rahmen. Die Unruhe würde allerdings heftig steigen, wenn noch am Mittwoch Chordirektor Andreas Kegelhut aus dem Zuschauerraum riefe: „Vom Chor ist hier nichts zu verstehen.“ Das stimmt nur an diesem Tag und Samuel Bächli, der die musikalische Leitung für das weiße Rössl hat, reagiert lächelnd: „Ich kann einzelne Stellen retuschieren, aber nicht das ganze Werk.“ Nach dieser Probe wird das Problem behoben sein.

Alle sind sie da, die für die Erfurter Premiere (Komposition: Ralph Benatzky) in genau einer Woche gebraucht werden. Die auf der Bühne und die hinter der Bühne. Die im Orchestergraben und die am Regiepult.

Und auch Jessica Krüger. Ohne Choreografie will Guy Montavon nicht. Da würde er eine Chance ungenutzt verstreichen lassen am Wolfgangsee.

Jetzt, eine Stunde nach Probenbeginn, verweigert sich Josefa (in dieser Probe Mezzosopranistin Julia Stein) dem Liebeswerben von Leopold (Alexander Voigt). Was die da vorn auf der Bühne bringen, ist natürlich hörenswert. Der Mezzosopran klingt schön. Zu schön. Denn Josepha will dieses Liebeswerben ja gar nicht und ist sauer.

Die Dialoge zwischen Regisseur Montavon und musikalischem Leiter Bächli geraten zu einem filigranen Blödeln. Bächli: „Hört man, dass Frau Stein dagegen geht?“ Gemeint ist das Liebeswerben. Montavon: „Ja. Aber sie kann sich im Bühnenabgang trotzdem zu uns drehen, das wäre charmant“, wendet sich der Regisseur an Julia Stein.

Ist das nun Wiener Schmäh oder schweizerische Höflichkeit? Egal, etwas aus einer der beiden Alpenrepubliken ist es auf jeden Fall und klingt – nett.

Was leicht aussehen soll, ist vorerst anstrengend

Die kurze Sequenz des richtigen Abgangs probieren sie viermal. Niemand stöhnt. Die kennen das, natürlich. Auch die vom Chor. Die Damen und Herren haben ordentlich zu tun. Singen und tanzen. Und das nach Vorgaben. Was leicht aussehen soll, ist vorerst anstrengend. Das hat schon Loriot gesagt.

„Im weißen Rössl“, diese Revue-Operette, kann gar nicht schief gehen. Nicht wirklich. Weil die meisten, die ins Theater gehen, den Film mit Peter Alexander von 1960 kennen.

„Wir machen aber etwas ganz anderes“, sagt Guy Montavon. Ja, natürlich. Aber es bleiben immer Turbulenzen zum weißen Rössl am Wolfgangsee – in einer Form, wie sie heute denkbar wäre. Weil Betriebsfeiern zwar ohne Zuckerwatte sind, aber ganz gewiss nicht ohne eine gewisse Ironie.

Die neueste Inszenierung wird dementsprechend mit veränderten Kostümen (Frauke Langer) arbeiten. Zunächst kommt die Betriebsbelegschaft mit vermeintlich üblicher Kleidung für eine Betriebsfeier auf die Bühne. Aber keine Sorge: Das Dirndl und die Seppl-Hose gibt es für die Soli dennoch.

Und karierte Decken und hinreichend Komik. Verspricht Montavon am Rande der Probe. Tatsächlich: Es wirkt so, dass man sich ungehemmt amüsieren kann, Zither und Jazz und Foxtrott und Bigband-Swing. Und natürlich mit all den Titeln, die man heimlich mitsingen kann.

Auch die, die lieber den schmachtenden Peter Alexander mögen, können sich, wie der erste Eindruck vermittelt, auf die neue Inszenierung freuen. Die Urfassung wurde von vier auf zweieinhalb Stunden gekürzt.

Guy Montavon, der nicht er wäre, würde er nicht immer noch etwas umschmeißen, was bereits festgeschrieben war, entscheidet während dieser Probe, dass Piccolo einen anderen Text sprechen wird: Er wird von zweieinhalb Stunden Aufenthalt in Sankt Wolfgang sprechen. Ist doch logisch. Was will er mit zehn Minuten? Das Publikum wird die textliche Veränderung von „zehn Minuten“ in „zweieinhalb Stunden“ nicht bemerken. Aber genau diese Tausend kleinen Veränderungen machen aus dem, was da probiert wird, vielleicht eine richtig gute Inszenierung.

Esther Goldberg / 08.12.18


 

Geschrieben von: Hausmeister am 09.12.2018

 

 

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