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TA-IHK-Wirtschaftspreis (6): Steffen Fischer führt die Ölmühle und drei Reformhäuser in Erfurt


Mit einem gemeinsamen Preis würdigen Thüringer Allgemeine und Industrie- und Handelskammer Erfurt beispielhafte unternehmerische Leistungen. Heute: Die traditionsreiche Erfurter Ölmühle Werner Fischer GmbH.

Das traditionsreiche Unternehmen hat viel Geld in die aufwendige Sanierung des Gebäudes der Heiligen Grabesmühle in der Innenstadt von Erfurt investiert. Hier befindet sich heute der Sitz der Verwaltung der Firma. Foto: Sascha Fromm Das traditionsreiche Unternehmen hat viel Geld in die aufwendige Sanierung des Gebäudes der Heiligen Grabesmühle in der Innenstadt von Erfurt investiert. Hier befindet sich heute der Sitz der Verwaltung der Firma. Foto: Sascha Fromm

Erfurt. Er ist in Erfurt geboren und hier aufgewachsen. Deshalb kann Steffen Fischer die Begeisterung der Besucher aus Nah und Fern für die Altstadt von Erfurt gut verstehen.

Sehr lange mussten Steffen Fischer und sein Vater Werner daher auch nicht überlegen, als die Frage stand, was mit dem Firmenstammsitz aus dem Jahre 1690 werden soll. „Wir standen im Jahr 2002 vor der Frage: Machen wir es richtig oder gar nicht?“, erinnert sich Steffen Fischer. Den beiden Erfurter Unternehmern war klar, dass die Investition in ein denkmalgeschütztes Gebäude um einiges teuerer wird, als ein Neubau. So kam es dann auch, rund 265.000 D-Mark musste Familie Fischer zusätzlich aufbringen, um alle Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen. Holzfenster mussten es sein statt Kunststofffenster, die Wände aus Fachwerk statt gemauert, „aber verputzen mussten wir sie trotzdem, weil das vorher schon so war“, erläutert Fischer.

Heute ist er froh, dass man sich so entschieden hat, sagt Fischer. In dem historischen Gebäude der Heiligen Grabesmühle hat die Verwaltung des Familienbetriebes ihren Sitz gefunden. Ein kleines Schmuck-stückchen mehr für seine Heimatstadt sei entstanden.

Sein Vater hat die Firma gegründet und über viele Jahre geführt. Daher sei es für ihn selbstverständlich gewesen, nach dessen Tod den Namen des Unternehmens beizubehalten. „Erfur- ter Ölmühle Werner Fischer GmbH“ – mit diesem Namen würdige er die Lebensleistung des Vaters, so Steffen Fischer.

Er ging nach dem Abitur zunächst zum Studium nach Berlin. An der Humboldt-Universität studierte Steffen Fischer Lebensmitteltechnologie. „Das schien mir eine krisensichere Branche, denn gegessen wird schließlich immer“, erläuterte der Erfurter seine damaligen Überlegungen.

An dieses Studium wollte Fischer eine Promotion anschließen. Das Angebot war da, warum nicht nutzen? Doch eine Hüftoperation zwang den Vater im Jahr 1991 zum Kürzertreten. Er bat den Sohn darum, ihm kurzzeitig ein bisschen zu helfen. Aus dieser befristeten Unterstützung ist mittlerweile allerdings mehr als ein Vierteljahrhundert geworden.

Nur für knapp ein Jahr verließ Steffen Fischer noch einmal die Firma, wechselte 1994 als Einkaufsleiter zu der Erfurter Traditionsmarke Born Feinkost. Es habe Überlegungen gegeben, die beiden Häuser möglicherweise gemeinsam zu führen, erinnert er sich. Doch das habe sich sehr schnell als unrealistisch herausgestellt. Mit dem Jahreswechsel startete Steffen Fischer 1995 in der Geschäftsführung des Familienbetriebes. Zunächst als Prokurist an der Seite des Vaters. Für gut elf Jahre agierten beide als Doppelspitze. Man habe die wichtigen Entscheidungen gemeinsam getroffen, sich immer gut abgestimmt, berichtet Steffen Fischer.

„Das war eine spannende Zeit, wir standen als kleiner Familienbetrieb vor derart vielen Herausforderungen, dass wir gar keine Zeit dafür hatten, uns zu streiten“, sagt Fischer heute im Rückblick schmunzelnd. Alle Probleme seien ausdiskutiert worden.

Beide Fischers an der Firmenspitze hätten immer Einblick in alle Unterlagen gehabt. Gegenseitiges Vertrauen sei die Basis dafür, dass solch ein fließender Generationswechsel gelingt, erklärt Steffen Fischer.

Er führt das Erfurter Traditionsunternehmen nun schon seit mittlerweile elf Jahren allein, hat die Verantwortung für die derzeit 18 Mitarbeiter. Neben der Fertigung und der Verwaltung gehören heute drei Reformhäuser in der Thüringer Landeshauptstadt zum Unternehmen.

Unternehmer Steffen Fischer sorgt für den Nachwuchs in der Firma, indem er junge Menschen ausbildet. Einzelhandelskaufleute für Reformhäuser erlernen hier ihren Beruf. Bei den Bewerbern achte er nicht so sehr auf die Zensuren in den Zeugnissen, sagt der Firmeninhaber. Sie müssten vor allem ins Team passen, der Charakter müsse stimmen. „Damit habe ich bislang gute Erfahrungen gemacht“, so Fischer. Viele seiner Auszubildenden seien nach dem erfolgreichen Lehrabschluss im Unternehmen geblieben.

Als angestellter Ingenieur in einem Großunternehmen hätte er sicher geregeltere Arbeitszeiten gehabt, so Steffen Fischer. Er aber liebe es, gestalten zu können und eigene Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.

Der Nachfolger

Steffen Fischer (52) hat an der Berliner Humboldt-Universität Lebensmitteltechnologie studiert. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Diplom-Ingenieur plante er zunächst die Promotion an der Universität, stieg dann aber in den Familienbetrieb in Erfurt ein, den sein Vater aufgebaut hat. Heute agiert der Inhaber der Traditionsfirma Erfurter Ölmühle unter anderem als Obmann der Reformhaus-Genossenschaft für die Bundesländer Thüringen und Sachsen.

Bernd Jentsch / 19.02.18



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